Arbeitsmarkt Juli 2010
Arbeitslosigkeit saisonbedingt leicht angestiegen - Stellenangebot wächst weiter
Der Quartalswechsel als Kündigungstermin sowie das Schuljahresende und das Ende zahlreicher Ausbildungsverhältnisse führen jedes Jahr im Juli zu einem Zuwachs der Arbeitslosigkeit. In diesem Jahr fiel er unterdurchschnittlich aus.
Die Arbeitsmarktentwicklung unterliegt neben konjunkturellen Einflüssen auch jahreszeitüblichen Rahmenbedingungen; so finden nach dem Ausbildungsende nicht alle Absolventen direkt eine Anschlussbeschäftigung, viele erst mit mehrwöchiger Verzögerung. In verschiedenen Tarifbereichen erfolgen Kündigungen zum Quartalsende, die dann im ersten Folgemonat bei den Arbeitslosenzahlen sichtbar werden. „In diesem Jahr fiel die Entwicklung deutlich verhaltener aus, als wir es erwarteten“, kommentiert Anna Artmann, Geschäftsführerin des operativen Geschäftes der Agentur für Arbeit in Bergisch Gladbach. „es wurden weniger Arbeitsverhältnisse als im Vorjahresmonat gekündigt; ein Indiz für die bessere Kapazitätsauslastung der Betriebe.“
Im Laufe des Juli mussten sich 5.943 Männer und Frauen arbeitslos melden, von ihnen hatten 1.642 ihre Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt verloren, 359 oder 17,9 Prozent weniger als vor einem Jahr. Weitere 1.008 meldeten sich nach einer schulischen oder betrieblichen Ausbildung. Gleichzeitig konnten sich 5.532 Männer und Frauen aus der Arbeitslosigkeit abmelden, dabei nahmen 1.648 eine Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt auf, 253 oder 18,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum Monatsabschluss wurden noch 26.691 Arbeitslose gezählt, 428 oder 1,6 Prozent mehr als im Juni, jedoch 2.017 oder 7,0 Prozent weniger als vor einem Jahr. Seit 2000 wurden im Juli in der Regel höhere Zuwächse der Arbeitslosigkeit registriert. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 7,3 Prozent nach 7,2 Prozent im Vormonat und 7,8 Prozent im Vorjahr. Der Zuwachs der Arbeitslosigkeit zeigte sich vor allem im Bereich der Arbeitslosenversicherung, denn hier lag die Arbeitslosenzahl mit 9.856 um 371 oder 3,9 Prozent höher als im Juni, aber um 1.858 oder 15,9 Prozent unter Vorjahr. Im Bereich der Grundsicherung war die Entwicklung verhaltener; hier überschritt die Arbeitslosenzahl mit 16.835 den Vormonatsstand unterdurchschnittlich um 57 oder 0,3 Prozent und unterbot den Vorjahresstand nur knapp um 159 oder 0,9 Prozent. Der aktuelle Zuwachs der Arbeitslosigkeit traf überwiegend die Frauen, denn ihre Zahl stieg um 345 oder 2,9 Prozent auf 12.336; gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der arbeitslosen Männer um 83 oder 0,6 Prozent auf 14.355. Hier zeigen sich die Auswirkungen der unterschiedlichen Beschäftigungsschwerpunkte von Männern und Frauen: Während die Männer, durch ihren Schwerpunkt im Produktionsbereich in Fertigungs- und Technischen Berufen, im Krisenfall eher entlassen und im Aufschwung zu erst wieder eingestellt werden, erleben Frauen diese Entwicklungen in Dienstleistungstätigkeiten zeitverzögert. Im langfristigen Vergleich sind die Frauen aber die Gewinner auf der Beschäftigungsseite. Seit Bestehen des Agenturbezirks Bergisch Gladbach in seiner jetzigen Ausdehnung (1980) sank die Zahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Männer um 11,6 Prozent, während gleichzeitig die Zahl beschäftigter Frauen um 27,9 Prozent stieg. Das Angebot für Arbeitsstellen[1] hat auch in den letzten Wochen zugenommen. Mit 2.127 freien Arbeitsplätzen wurde der Stand vom Juni um 265 oder 14,2 Prozent überschritten und der vom Juli 2009 um 763 oder 55,9 Prozent. 1.741 Angebote boten eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, 249 oder 16,7 Prozent mehr als im Vormonat und 672 oder 62,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein Teil dieser Entwicklung resultierte aus einer verstärkten Nachfrage durch Zeitarbeitsunternehmen. Sie vereinen auf sich 35,7 Prozent des Stellenangebots. Mittlerweile werden wieder Personallücken im Produktionsbereich gefüllt. Aber auch im Bau- und Baunebengewerbe wurde verstärkt eingestellt, so beispielsweise Dachdecker sowie Maler und Lackierer. Zu den meist gesuchten Arbeitskräften zählen Alten- und Krankenpflegekräfte, Erzieherinnen, Fachkräfte für die Köche und den Restaurantservice. Während im Vorjahr die Nachfrage nach Zerspanungsmechanikern und Schweißern gegen Null tendierte, werden sie jetzt wieder stärker gesucht. Die Unterbeschäftigung, die neben der Arbeitslosigkeit u. a. auch Teilnehmer/innen an Maßnahmen zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung sowie der beruflichen Weiterbildung, in Arbeitsgelegenheiten Beschäftigte und geförderte Existenzgründer umfasst, addierte sich im Juli 2010 nach vorläufigen Berechnungen auf 33.998; dies waren 64 oder 0,2 Prozent weniger als im Juni und 1.769 oder 4,9 Prozent weniger als im Juli 2009.Das Ausbildungsstellenangebot hat auch im Juli 2010 noch einmal zugenommen, gleichzeitig stieg aber auch die Zahl der Bewerber/innen. Im Vorjahresvergleich gab es deutlich mehr Ausbildungsstellen bei einer insgesamt kaum veränderten Bewerberzahl. Seit Oktober meldeten die hiesigen Betriebe der Agentur für Arbeit 2.666 Ausbildungsstellen, 331 oder 14,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Juli war Im Vergleich zum Vorjahr für 770 Ausbildungsstellen noch keine Einstellungsentscheidung getroffen worden, 163 oder 26,9 Prozent mehr zum Juli 2009. Auch im Oberbergischen Kreis, der von der Krise besonders betroffen war, meldeten die Betriebe mehr Ausbildungsstellen. „Die Betriebe sind sich der Bedeutung der betrieblichen Ausbildung für die künftige Fachkräfteversorgung bewusst“, kommentiert Anna Artmann die Entwicklung. Die Zahl der Bewerber/innen für Berufsausbildungsstellen lag mit 3.696 um 11 oder 0,3 Prozent über der Zwischensumme des Vorjahres. Im Juni hatten 1.081 junge Männer und Frauen noch keine Ausbildungszusage oder ein alternatives Angebot, 64 oder 5,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Den hiesigen Bewerber/innen erschließen sich auch die Angebote an Rhein und Wupper, so werden allein in Köln zurzeit mehr als 1.700 junge Männer und Frauen aus dem Bergischen ausgebildet. Regionale Entwicklung in den Kreisen (Hinweis: Aussagen zu den Geschäftsstellenbezirken finden Sie im Arbeitsmarktreport) Der aktuelle Zuwachs der Arbeitslosigkeit war in den westlichen Teilen des Agenturbezirks etwas ausgeprägter als im Oberbergischen Kreis, da er seine Ursachen in den Dienstleistungsberufen hatte. Am stärksten war die Entwicklung im Rheinisch-Bergischen Kreis mit einer Zuwachsrate von 2,8 Prozent, in Leverkusen betrug sie 1,7 Prozent und im Oberbergischen Kreis nur 0,5 Prozent. Die Zuwächse gegenüber dem Vormonat wurden insbesondere im Bereich der Arbeitslosenversicherung sichtbar, da sie unmittelbar aus einer versicherungspflichtigen Beschäftigung entstanden. Dagegen waren die Rückgänge gegenüber dem Vorjahr auch im Bereich der Arbeitslosenversicherung ausgeprägter. Die Veränderungsraten der Arbeitslosigkeit in den einzelnen Kommunen reichten im Vergleich mit dem Juni 2010 von -7,6 Prozent in Marienheide bis zu +7,8 Prozent in Kürten und im Vergleich mit dem Juli 2009 von -16,2 Prozent in Marienheide bis zu +7,8 Prozent in Odenthal. Nach 2.428 Arbeitslosmeldungen im Oberbergischen Kreis und gleichzeitig 2.351 Abmeldungen aus der Arbeitslosigkeit, nahm die Zahl der arbeitslosen Männer und Frauen im Kreisgebiet zwischen Juni und Juli um 0,5 Prozent auf 10.373 zu; der Vorjahresstand wurde damit aber um 892 oder 7,9 Prozent unterschritten. Im Bereich der Arbeitslosenversicherung war die Entwicklung etwas ausgeprägter, hier stieg die Arbeitslosenzahl seit Juni um 37 oder 0,9 Prozent auf 4.200 und lag aber um 1.058 oder 20,1 Prozent unter dem Vorjahresstand. In der Grundsicherung stieg sie im Juli um 16 oder 0,3 Prozent auf 6.173, dabei blieb sie aber noch um 166 oder 2,8 Prozent über dem Stand vom Juli 2009. Die Arbeitslosenquote im Oberbergischen Kreis beträgt 7,3 Prozent wie im Vormonat; vor einem Jahr lag sie noch bei 7,8 Prozent. Das Arbeitsstellenangebot im Kreis blieb mit 781 freien Arbeitsplätzen noch unzureichend, hat jedoch weiterhin deutlich zugenommen; so wurde der Vormonatsstand um 62 oder 8,6 Prozent überschritten und der Vorjahresstand um 179 oder 29,7 Prozent. 719 Stellen boten eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, 49 oder 7,3 Prozent mehr als im Juni und 153 oder 27,0 Prozent mehr als im Juli 2009. Der Anstieg basiert vor allem auf vermehrten Vermittlungsaufträgen durch Zeitarbeitsunternehmen. Diese Erfahrung ist nicht neu, denn mit Beginn einer Wirtschaftskrise werden zuerst Zeitarbeitskräfte arbeitslos, die bei deren Ende wieder zuerst eingestellt werden. Doch auch ohne die Einschaltung von Zeitarbeitsunternehmen zieht die Nachfrage aus Betrieben des verarbeitenden Gewerbes an. Aktuell werden insbesondere Elektroinstallateure, Zerspanungsmechaniker, Schweißer und Maschinenschlosser gesucht. Darüber hinaus haben aber auch flexible Hilfskräfte Beschäftigungschancen. Auch Altenpfleger haben bessere Einstellungschancen. Nach 1.970 Arbeitslosmeldungen und 1.730 Abmeldungen stieg im Rheinisch-Bergischen Kreis die Arbeitslosenzahl um 2,8 Prozent auf 9.688; der Vorjahresstand wurde dabei um 188 oder 1,9 Prozent unterschritten. Auf den Bereich der Arbeitslosenversicherung entfielen 3.467 arbeitslose Männer und Frauen und auf die Grundsicherung 6.221. Die Arbeitslosenquote lag bei 6,9 Prozent, 0,2 Prozentpunkte über dem Wert des Vormonats. Sie blieb knapp unter der des Vorjahresmonats, damals betrug sie 7,0 Prozent. Der Einstellungsbedarf der Betriebe im Kreis ist weiterhin deutlich höher als im Vorjahr: Zurzeit sind 876 Arbeitsstellen unbesetzt, 133 oder 17,9 Prozent mehr als im Juni und 445 oder 103,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dabei boten 814 Stellen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Mittlerweile steigt zwar auch wieder das Stellenangebot im Produktionsbereich, aufgrund der Wirtschaftsstruktur werden aber vorrangig Arbeitskräfte für Dienstleistungstätigkeiten gesucht wie z. B. Altenpfleger, Erzieherinnen, Küchenfach- und –hilfskräfte, Verkäufer, Krankenpflegekräfte und Kraftfahrer. In der kreisfreien Stadt Leverkusen konnten wie in den beiden Landkreisen ebenfalls steigende Arbeitslosenzahlen festgestellt werden, das Stellenangebot dehnte sich erneut aus. Im Laufe des Monats mussten sich 1.545 Männer und Frauen arbeitslos melden, während gleichzeitig 1.451 aus der Arbeitslosigkeit ausschieden. Danach verblieben 6.630 Arbeitslose in der Chemiestadt, 114 oder 1,7 Prozent mehr als im Juni aber 937 oder 12,4 Prozent weniger als im Vorjahr. 2.189 Arbeitslose entfielen auf die Arbeitslosenversicherung und 4.441 auf die Grundsicherung. Die Arbeitslosenquote sank von 9,0 Prozent im Vorjahr über 8,0 Prozent im Vormonat auf nunmehr 8,1 Prozent. Mit 470 Vakanzen liegt das Stellenangebot um 70 oder 17,5 Prozent über dem Juni- Niveau (400); dies sind 139 oder 42,0 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei boten 431 Stellen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Die Leverkusener Betriebe suchten vor allem Bürofachkräfte, Altenpfleger, Maler und Lackierer, Kraftfahrer und Krankenpflegekräfte.
[1] Die Arbeitsstellen umfassen nur ungeförderte Arbeitsstellenangebote am sogenannten 1. Arbeitsmarkt und setzen sich zusammen aus:- Sozialversichungspflichtige,- geringfügige (Minijobs etc.) und- sonstige Arbeitsstellen (z.B. Praktikanten-Arbeitsstellen)
Zuletzt aktualisiert am: 29.07.2010. Dieser Artikel wurde bereits 2251 Mal gelesen (Stand 0.00 Uhr am: 09.02.2012).
IHRE PRESSEMITTEILUNG? Schicken Sie sie einfach an: info@radevormwald.net
Anzeigen:
|