Zu Gira kommt der „Palettendoktor“

Ursprünglich ging es bei dem Projekt eigentlich um Verbesserungen von Abläufen und Ergonomie.

Denn die Entsorgung defekter Euro- und Chemie-Paletten beim Gebäudetechnikspezialisten und Smart-Building-Pionier Gira (www.gira.de) in Radevormwald gestaltete sich aufgrund der örtlichen Gegebenheiten aufwändig und körperlich sehr anstrengend: Von der 1,40 Meter hohen Entsorgungsrampe mussten die über 20 Kilogramm schweren hölzernen Ladungsträger in einen drei Meter hohen Transportcontainer befördert werden, der im Freien stand. „In der Praxis bedeutete dies für unsere Kolleginnen und Kollegen, dass sie jede Palette über Brust- oder sogar zum Teil Kopfhöhe nach oben heben mussten“, berichtet Rajmund Ullenboom, Teamleiter Wareneingang und Intralogistik beim Bergischen Technologiemittelständler, der gemeinsam mit Helena Wannhoff aus dem Supply Chain Management das Projekt umgesetzt hat. „Bei dem Gewicht ist dies nicht nur zeitraubend, sondern belastet auf Dauer zudem Wirbelsäule und Rücken. Es gab also Handlungsbedarf, schließlich summiert sich die Zahl beschädigter Paletten auf rund 3.000 pro Jahr.“ 

Kreislaufwirtschaft – weniger Abfälle, weniger Kosten
Bei der Analyse des bisherigen Entsorgungsprozesses stellte sich schnell die Grundsatzfrage, ob es nicht eine Alternative zur bisherigen Vorgehensweise gibt. „Sie lautet: Wiederverwerten statt wegwerfen. Tatsächlich haben sich Unternehmen darauf spezialisiert und sich dafür durch EPAL zertifizieren lassen, kaputte Paletten instand zu setzen, um sie danach wiederzuverkaufen“, erklärt Rajmund Ullenboom. Um durchschnittlich sechs Jahre, sagen die Paletten-Recycler, verlängert sich dadurch die Produktlebensdauer eines solchen Ladungsträgers. Seit Ende 2025 kommt solch ein „Palettendoktor“ auch regelmäßig auf Visite zu Gira. Für das Radevormwalder Familienunternehmen zahlt sich der Einstieg in die Kreislaufwirtschaft in diesem Bereich gleich in mehrfacher Hinsicht aus. Finanziell, denn anstatt Entsorgungskosten zu zahlen, verkauft Gira die defekten Ladungsträger. Auf etwas mehr als 10.000 Euro belaufen sich die dadurch im Jahr generierten Einnahmen. Aber auch ökologisch, da sich das jährliche Abfallaufkommen des Herstellers von Designschaltern, Steckdosen und Smart-Home-Systemen um über 70 Tonnen oder gut zehn Prozent seiner gesamten Abfallmenge reduziert. „Wir haben etwa 90 Prozent weniger Holzabfälle, gehen sorgsamer mit Ressourcen um und verdienen dadurch sogar noch Geld“, bringt Rajmund Ullenboom die Mehrwerte auf den Punkt.

Veränderte Abläufe – mehr Ergonomie, mehr Effizienz
Doch auch die Abläufe der Holzentsorgung haben sich geändert. Was früher als Müll einfach in den Container geworfen wurde, wird dort nun ordentlich gestapelt. Dadurch verringert sich das Transportvolumen deutlich, sodass weniger Fahrten zum Abtransport als bisher nötig sind. Dies wiederum kommt, wenn auch nur in kleinem Umfang, der CO2-Bilanz zugute. Möglich wurde dies dadurch, dass der bisher offene Container inzwischen gegen ein geschlossenes Modell mit Seitentüren getauscht worden ist. „Dies hat gleich mehrere Vorteile. Einmal können die Kolleginnen und Kollegen die verbliebenen Holzabfälle in den Container hineinfahren. Die körperlichen Belastungen sind dadurch deutlich geringer, zumal das Abfallaufkommen nur noch einen Bruchteil der früheren Menge ausmacht“, so Logistikfachmann Ullenboom. „Des Weiteren kann es in diesen Containertyp nicht mehr hineinregnen, sodass das Holz trocken bleibt und sich nicht mit Wasser vollsaugt, was bislang das Gewicht der Ladung und damit die Transportkosten erhöht hat.“

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