In den 60er und 70er Jahren gab es die allseits beliebte Spielshow "Spiel ohne Grenzen". Bei dieser Sendung mussten ausgewählte Städte mit Ihren Teams zunächst im nationalen und danach im internationalen (europäischen) Vergleich bei diversen Geschicklichkeitsspielen gegeneinander antreten.

Bei der Bewerbung für das "Spiel ohne Grenzen" hatte jedoch niemand so recht mit einem positiven Bescheid gerechnet. Als vom WDR jedoch die Zusage kam, verbreitete sich die Nachricht in Radevormwald schlagartig. Hinzu kam noch, dass der Austragungsort für das erste Spiel, in dem zwei Teams gegeneinander antreten mussten, ebenfalls Radevormwald war.

Die Kandidaten erfuhren jedoch vor der Austragung nie den genauen Ablauf der einzelnen Spiele. Es gab lediglich Vorgaben, die Geschlecht, Körpergewicht und gewisse besondere Fähigkeiten festlegten und das Motto der Sendung ("1001 Nacht" in Radevormwald) war bekannt. Nach diesen Vorgaben musste man sich dann die entsprechenden Teilnehmer aussuchen. Die Vorbereitung konnte jedoch nur auf Verdacht hin durchgeführt werden, da man die Spiele im Detail erst kurz vor Beginn der Ausstrahlung erfahren hat. Die Radevormwalder Sportlehrer Hans Schäfer und Fritz Krumm hatten nun die Aufgabe, aus 200 Bewerbern ein Team aus 25 Teilnehmern und 3 Reservespielern zu formen. Die Spiele waren eine Mischung aus sportlicher und geschicklicher Herausforderung.

Die Teilnahme unserer Stadt und die Ausstrahlung einer Live-Sendung aus dem Kollenberg-Stadion waren für die Stadt Radevormwald eine wichtige Werbung, die den Bekanntheitsgrad in Europa enorm steigerte, da die Sendung "Spiel ohne Grenzen" zur damaligen Zeit ein absoluter Quotenrenner war und ab der zweiten Runde per Eurovision in Europa ausgestrahlt wurde. Dementsprechend umfangreich waren auch die Vorbereitungsmaßnahmen im gesamten Stadtgebiet. Es wurde sogar ein Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem es galt,  die Schaufenster der Stadt möglichst originell und thematisch passend zu dekorieren. Das Kollenberg-Stadion wurde mit zusätzlichen Tribünen versehen, die dem enormen Zuschaueranlauf gewachsen waren.

Das Kollenberg-Stadion kurz vor dem Beginn der Sendung "Spiel ohne Grenzen"

Klicken Sie auf den folgenden Link, um zu erfahren, welchen Spielen sich die Radevormwalder Mannschaft auf dem Kollenberg stellen musste:

16.05.1970 - Radevormwald, Kollenberg

Der Wettkampf am 16.05.1975 begann für Radevormwald alles andere als positiv. Pro Spiel konnte man zwei Punkte bekommen und unser Team lag bereits nach den ersten drei Spielen 0:6 zurück. Doch bei dem vierten Spiel ("Der kleine Muck") hatte Radevormwald den Joker gesetzt (das Spiel, bei dem eine Mannschaft den Joker gesetzt hat, wurde für die entsprechende Mannschaft doppelt gewertet) und dieses Spiel wurde gewonnen und schon hatte man wieder auf 4:6 aufgeschlossen. In den darauffolgenden Spielen behielt Bocholt immer seinen Vorsprung. Vor dem letzten Spiel stand es 10:12. Da dieses letzte Spiel doppelt gewertet wurde und Radevormwald gewann, konnte man mit einem hauchdünnen 14:12 Sieg den Einzug in die zweite Runde feiern.

Der Jubel kannte keine Grenzen nach dem knappen Sieg in Radevormwald.

 

Das zweite Spiel fand in Avignon statt. Dort musste man nun gegen sechs ausländische Teams antreten (Belgien, England, Frankreich, Holland, Italien und die Schweiz). Erneut wurde ein Team aus zahlreichen Kandidaten ausgewählt.

Die Mannschaft, die zum "Spiel ohne Grenzen" in Avignon fuhr.

Die Mannschaft reiste per Flugzeug nach Marseille und wurde herzlich in der Stadt Avignon empfangen. Das Team nutzte die verbleibende Zeit bis zu der Austragung, um sich an die örtlichen Gegebenheiten zu gewöhnen und auch noch vor Ort für das "Spiel ohne Grenzen" zu trainieren.

Klicken Sie auf den folgenden Link, um zu erfahren, welchen Spielen sich die Radevormwalder Mannschaft in Avignon stellen musste:

22.07.1970 - Avignon, Olympiastadion

Diesmal gewann das Radevormwalder Team mit einem sensationellen Ergebnis von 48 Punkten vor Belgien mit 40 Punkten und Italien mit 37 Punkten. Das Ergebnis war jedoch bis zum letzten Spiel noch offen, da vier Mannschaften bei diesem Spiel ihren Joker gesetzt hatten und somit maximal 12 Punkte bei einem Sieg zu bekommen waren. Bernd Reinbott behielt jedoch in diesem extrem kräfteverzehrenden Spiel die Nerven und konnte die meisten Ringe mit seiner Lanze aufspießen.

Die Mannschaft wurde nach dem Sieg durch die mitgereisten Fans und auch von den anderen Mannschaften gebührend gefeiert und die Spieler aus dem Radevormwalder Team bekamen einen deutlichen Eindruck davon, was es bedeutet, prominent zu sein und als Sieger gefeiert zu werden: alles was nicht schnell genug in Sicherheit gebracht werden konnte, wurde von den Fans als Souvenir mitgenommen. So verschwanden einige Trainingsanzüge und sogar die Schilder, mit denen die einzelnen Mannschaftsmitglieder während des Spiels gekennzeichnet wurden. 

Bei ihrer Rückkunft in Radevormwald wurde die Mannschaft am Rathausplatz von 4.000 bis 5.000 Menschen jubelnd in Empfang genommen und jeder hoffte schon insgeheim, dass es nun zur Endausscheidung nach Verona gehen würde, aber dafür musste die Rader Mannschaft das beste Ergebnis von insgesamt vier deutschen Mannschaften bei internationalen Ausscheidungen erzielen. Mit den erzielten 48 Punkten und einem Sieg im Gepäck, konnte man jedoch schon sehr zuversichtlich sein.

 

Mit dem Ergebnis von 48 Punkten schaffte es Radevormwald, sich an der Spitze zu behaupten und nun stand der Reise nach Verona nichts mehr im Weg. Wiederum wurde ein neues Team zusammengestellt, welches den Vorgaben der Organisatoren entsprach und man machte sich auf die Reise nach Italien.

Die Mannschaft schnitt im Training vor der Sendung sehr gut ab und man ging äußerst optimistisch in das entscheidende Finale. Außerdem wurden knapp 10.000 deutsche Zuschauer erwartet, die das Team anfeuern wollten (die Arena hat ca. 22.000 Plätze).

Klicken Sie auf den folgenden Link, um zu erfahren, welchen Spielen sich die Radevormwalder Mannschaft in Verona stellen musste:

16.09.1970 - Verona, Arena

Das "Spiel ohne Grenzen" begann gut für Radevormwald und man konnte sich an der Spitze festsetzen. Ein plötzlich einsetzendes Unwetter mit wasserfallartigen Regenfällen führte jedoch zu einem unvorhersehbaren Chaos und zu einem Bruch im Rader Spiel. Die vollbesetzten Ränge in der Arena leerten sich schlagartig und es blieben nur noch die hartgesottenen Zuschauer sitzen. Mit einem solchen Regenschauer hatte in Verona niemand gerechnet, zumal es in den Tagen zuvor beinahe unerträglich heiß war. Ausgerechnet als Heide Rosendahl im vierten Spiel als letzte Teilnehmerin hinter einem Zentauren hersprinten musste, um ihm ein rotes Tuch abzuluchsen, setzte der Platzregen ein und Heide Rosendahl rutschte mehrfach weg und hatte so keine Chance, in diesem Spiel Punkte zu holen.

Das Spiel wurde trotz des Unwetters fortgesetzt und der Verlauf war nunmehr dem Zufall überlassen. Trotz allem schaffte es das Radevormwalder Team, einen guten dritten Platz zu erreichen und somit nur Italien und Holland vor sich zu lassen.

Das Team wurde bei seiner Rückkunft wieder von ca. 5.000 Radevormwalder Bürgern empfangen und wie die Sieger gefeiert. 

Dieses sportliche Ereignis ist bis heute eines der absoluten Highlights in der Radevormwalder Geschichte.

Quelle für Informationen und Fotos: Stadtarchiv Radevormwald

 

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