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Wenn die Gelenke wehtun…

Hilfe verspricht die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), die auch am Johanniter-Krankenhaus in Radevormwald praktiziert wird

Wenn die Gelenke wehtun, denken viele an Rheuma. Rheuma kommt aus dem Griechischen und bedeutet ziehender, reißender Schmerz. Dazu zählen alle Krankheiten im Bereich des Bewegungsapparates wie Gelenke, Gelenkkapseln, Knochen, Muskulatur oder Sehnen, die nicht durch eine Verletzung oder Tumoren bedingt sind.

Somit ist Rheuma keine Diagnose im engeren Sinne. Man zählt etwa 400 verschiedene Erkrankungen darunter, die sich z.T. sehr unterscheiden. Einige davon sollen hier kurz beschrieben werden.

Die Arthrose ist eine verschleißbedingte oder altersabhängige Veränderung des Gelenks. Häufige Ursachen sind Überlastungen, frühere Verletzungen, Fehlstellungen oder genetische Veranlagung. Der Gelenkknorpel verschmälert sich, bis schließlich Knochen auf Knochen reibt. Typisch sind der sogenannte Anlaufschmerz und der belastungsabhängige Schmerz. Es kann durch Überlastung auch zu entzündlichen Schüben kommen. Therapeutisch wichtig ist ein guter Muskelapparat, der das Gelenk stabilisiert und schützt sowie die Bewegungstherapie zur Erhaltung der Gelenkfunktion. Kälte und Wärme kommen je nach Aktivitätsgrad der Arthrose in der physikalischen Therapie zum Einsatz. Medikamentös werden schmerzlindernde und entzündungshemmende Mittel eingesetzt. Als letzter Schritt kann eine Operation hilfreich sein, um die Beweglichkeit und damit die Lebensqualität wieder herzustellen.

Die chronische Polyarthritis ist eine der folgenschwersten rheumatischen Erkrankungen. Es bedeutet eine Entzündung vieler Gelenke. Die Ursache ist unbekannt. Da es sich um eine Störung im Immunsystem handelt, zählt man sie zu den Autoimmunkrankheiten. Sie macht sich in erster Linie durch Schmerzen, Überwärmung, Hitzegefühle und Schwellungen der betroffenen Gelenke bemerkbar. Dieser Entzündungsschmerz besteht im Gegensatz zum Arthoseschmerz in erster Linie in Ruhe und bessert sich bei Bewegung. Typischerweise besteht auch eine ausgeprägte Morgensteifigkeit. Die Behandlung ist sehr komplex und umfasst Medikamente, Krankengymnastik, physikalische Anwendungen, Ergotherapie, psychologische Schmerzbewältigung, gel. Operationen. Sie sollte von rheumatologisch spezialisierten Einrichtungen vorgenommen werden und zielt darauf ab, das Fortschreiten der entzündlich bedingten Gelenkzerstörungen aufzuhalten. Eine frühzeitige Abklärung ist daher anzuraten.


Wie sieht nun die fernöstliche Medizin diese Krankheitsbilder und wie können sie behandelt werden? In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gibt es den Begriff des „Bi-Syndroms“. Übersetzt bedeutet das soviel wie schmerzhaftes Obstruktionssyndrom und umschreibt scharfe oder dumpfe Schmerzen bzw. Gefühllosigkeit von Muskeln, Sehnen und Gelenken. Der Grund dafür wird in dem Eindringen äußerer klimatischer Faktoren wie Wind, Nässe und Kälte angesehen. Aufgrund der Exposition des Menschen gegenüber klimatischen Einflüssen ist dies wahrscheinlich eines der ältesten Leiden der Menschheit. Warum aber kommt es zum Eindringen von Wind, Kälte oder Nässe? Eine schwache Konstitution oder auch vorbestehende, vorübergehende Schwäche der Abwehrenergie erlaubt es diesen Faktoren, in den Körper einzudringen. Eine gute Abwehrenergie braucht eine gesunde Zirkulation von Qi (Lebensenergie) und Blut. Eine lokale Schwäche von Qi und Blut kann auch durch zurückliegende oder immer wiederkehrende Verletzungen entstanden sein.
Je nach Überwiegen der einzelnen Faktoren kommt es zu unterschiedlichen Krankheitsbildern. Bei Überwiegen des Wind-Aspekts wandern die Beschwerden oft von Gelenk zu Gelenk. Ist Nässe die Ursache, so findet man häufig Schwellungen oder Taubheitsgefühle. Bei feuchtem Wetter verschlimmert sich der Schmerz. Kälte zeichnet sich durch sehr starke Schmerzen mit Bewegungseinschränkung aus. Es gibt noch ein weiteres Bild, nämlich wenn aus den vorgenannten Arten Hitze entsteht. Dann sind die Gelenke heiß, rot und geschwollen, mit anderen Worten akut entzündet. Oft findet man allerdings Mischbilder.
Die Therapie ist aus chinesischer Sicht einfach formuliert: man vertreibt die krankmachenden Faktoren und verbessert die Qi- und Blut-Zirkulation. Dazu stehen in erster Linie die Akupunktur und die chinesische Phytotherapie zur Verfügung. Durch das Erstellen einer differenzierten Diagnose, zu der immer die Beurteilung der Zunge und des Pulses gehören, ist es möglich, eine individuell geeignete Therapie einzuleiten. Die Akupunktur hat ihre Stärke darin, die Energieleitbahnen von Schmerzen zu befreien, indem sie die Blockaden des Qi- und Blutflusses beseitigt. Die Kräuter können insbesondere die pathogenen Faktoren wie Wind, Kälte, Nässe ausleiten. Eine Kombination beider Verfahren ist daher sinnvoll. Aber auch andere Bereiche sollten berücksichtigt und in das Therapiespektrum miteinbezogen werden. Die Ernährung kann z.B. einen deutlichen Einfluß auf den Heilungsverlauf nehmen. Ist der Körper schon von innen her durch Nässe belastet, was man u.a. an einer geschwollenen Zunge erkennen kann, so sollten Feuchtigkeits- und Schleim verstärkende Nahrungsmittel wie Milch, Milchprodukte, Süßes oder Fettes gemieden werden. Bei ausgeprägter Kälte können wärmende Nahrungsmittel und Gewürze vermehrt in den Speiseplan eingebaut werden. Des weiteren kommt dem Thema Bewegung hier Bedeutung zu. Um die Beweglichkeit von Gelenken, Muskeln und Sehnen aufrechtzuerhalten oder zu verbessern, bietet die fernöstliche Medizin mittels QiGong oder TaiJi sehr sanfte aber effektive Möglichkeiten an. Fängt man im Alter von 40 Jahren damit an – so eine alte Volksweisheit -, so kann man sich bis ins hohe Alter Beweglichkeit, Gesundheit und Kraft bewahren. Aber auch wenn Beschwerden oder Erkrankungen schon da sind, bieten die Atem-Bewegungsübungen eine gute Möglichkeit zur Linderung oder Regenaration. Als fünfte Säule der chinesischen Therapie ist die Tuina-Massage zu nennen. Hierbei werden durch verschiedene manuelle Techniken die Leitbahnen, Akupunkturpunkte und auch schmerzhafte Regionen behandelt.

Studien, nicht zuletzt der Krankenkassen, haben gezeigt, dass bei chronischen Gelenkschmerzen die Akupunktur helfen kann und dies mindestens so gut wie eine schulmedizinische medikamentöse Therapie ohne jedoch deren Nebenwirkungen. Akute Beschwerden können meist mittels einiger weniger Sitzungen zum Verschwinden gebracht werden. Die meisten Patienten kommen jedoch mit chronischen Beschwerden. Hierbei dauert die Behandlung länger. Arthrose ist leichter zu behandeln als Polyarthritis, aber auch hier kann geholfen werden. Es sollte immer individuell abgeklärt werden, welche Methode dem Patienten aller Erfahrung nach am meisten nutzt. Die schulmedizinischen Befunde sollten dabei immer im Auge behalten werden. Denn gerade in schweren Fällen ist die Kombination aus Schulmedizin und chinesischer Medizin oft notwendig und sinnvoll, um dem Patienten den größtmöglichen Nutzen bei kleinstmöglichen Nebenwirkungen zu bieten.


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